Anlässlich meines Geburtstages habe ich mich heute für ein Romantasy-Special entschieden. Mit einer Szene, aus der beim Schreiben fast ein ganzes Romanprojekt geworden wäre.

Der heutigen Prompt dreht sich um Widersprüche:

Ein Dämon sucht dich auf und bittet um Hilfe.

Was passiert, wenn das vermeintlich Böse Schutz sucht?
In meiner Szene erschien mir sofort ein ganzer Plot, über den Dämon, der mehr ist als Rauch und Drohung.
Ursprünglich wollte ich beim Schreiben nur eine Momentaufnahme einfangen, aber die Dynamik zwischen den beiden hat sofort etwas entfacht. Vielleicht kennt ihr das: Man beginnt mit einer Szene und plötzlich will die Geschichte mehr von einem. So ging es mir hier:

🖋️ Szene: Der Fluch

Der Geruch von brennendem Salbei kitzelte ihre Nase, als Areya die Tür zu ihrer Hütte öffnete. Sie hatte ihn als Sicherheitsmaßnahme brennen lassen, während sie im Wald nach Heilkräutern gesucht hatte.
Obgleich ihr Korb prall gefüllt war mit Pflanzen und Blüten, hatte sie dieses Jahr kein Glück bei ihrer Suche nach Gundermann gehabt. Ein weiteres Jahr. Das Kraut mit den glockenförmigen lilafarbenen Blüten, schien sich aus dem Dickicht verzogen zu haben. 
Areya seufzte. Was hätte sie darum gegeben? Seine herzförmigen Blätter heilen Fleisch und vertreiben die Fäule. In der richtigen Menge war es sogar in der Lage Dämonen und Geister zu vertreiben. Doch sie musste sich mit Bärlauch, Frauenmantel und Schafgarbe begnügen. Eine magere Ausbeute und ein noch schwächerer Trost.
Die Hexe erstickte den Rauch des Salbeis und löschte die Glut, nahm einen tiefen Atemzug, ehe sie mit einem Eimer zum Brunnen vor ihrer Hütte schlenderte. Die Sonne stand bereits tief, der Nebel legte sich über die Wiesen und Gärten, die ihr Haus umschlossen, doch sie hatte es nicht eilig. Kein Kunde würde zu dieser Stunde ihre Dienste suchen. Zu riskant war es in der Nacht den Wald zu durchqueren.
Sie hängte den Eimer ein und warf ihn in den Brunnen, senkte ihn hinab.
Ein Knacken ließ sie auffahren und sie hielt in ihrer Bewegung inne. Es kam nicht aus dem Brunnen. Es kam aus dem Wald. 
Ihre wachsamen Augen suchten die Büsche und Sträucher ab. Fanden nichts. Nichts bedrohliches. Aber auch nichts weiteres. Langsam zog sie den Eimer herauf. Das Wasser tropfte ungleichmäßig hinunter, jeder Tropfen wie ein Schlag. Ein Ton unheilvoller als der nächste. 
Doch nichts weiter geschah. Kein Geräusch und keinerlei Bewegung. Und Areya entspannte sich, nahm den Eimer in die Arme und schwankte unter dem Gewicht zurück in ihre Hütte.
Kaum schloss sich die Tür hinter ihr, wusste sie, ihr Gefühl hatte sie betrogen. Die falsche Sicherheit, in der sie sich gewogen hatte ,verflog augenblicklich, als sie nassen Schwefel roch.
»Komm raus, Teufel.« Sie ließ den Eimer sinken und griff nach einem Küchenmesser. Hielt es vor sich, als könnte es etwas ausrichten.
»Ah, kleine Hexe, du hast eine gute Nase.« Vor ihr wirbelte der Nebel durch die Luft. Schwarze Partikel setzten sich zusammen, kalte Luft fuhr ihr durch die Röcke, brachte sie zum Rascheln. Und eine Gestalt materialisierte sich vor ihr. 
Ein vermeintlich junger Mann mit Haut wie Porzellan, durchsichtig wie Glas, stand in Areyas Küche. Volle kirschroten Lippen verzogen sich zu einem matten Lächeln. Die violetten Augen blieben kalt, wie der Winter in den Hügeln.
»Was verschafft mir die Ehre?« Areya ließ das Messer nicht sinken. Ihre Hand zitterte nicht. Noch nicht.
»Seid ihr die, die man Areya nennt?« Der Dämon legte seinen Kopf schief, seine Augen glänzten überirdisch. Wunderschön, ja. Aber falsch.
»Wer will das wissen?« Sie versuchte das Kinn erhoben zu halten. Doch wusste, er konnte ihr rasendes Herz hören, wenn nicht gar spüren.
»Velamir.« Ein Mundwinkel des Dämons senkte sich.
Areya ließ das Messer einen Zentimeter sinken. »Ihr verratet mir euren Namen ohne Gegenleistung? Bereitwillig?«
»Nun, ich kenne euren, es erschien mir nur fair euch meinen zu nennen.« Der Dämon näherte sich ihr, schien über den Boden zu gleiten. Sein schwarzes seidenes Hemd wog sich leicht im Wind, als er auf ihrem Stuhl Platz nahm. Direkt vor dem noch leicht rauchenden Salbei. Sein Blick folgte den Schwaden zur Decke. »Ihr Hexen denkt, das könnte uns fern halten?«
Der Geruch nach Teer biss sie in die Nase. Areya legte das Messer auf den Tresen. Es hatte ohnehin keinen Zweck. »Nein. Das denken wir nicht. Obgleich ich euch enttäuschen muss, es gibt noch andere dunkle Wesen abgesehen von euch. Und diese hält er sehr wohl fern.«
Velamir grinste. »Wohl wahr.«
»Was wollt ihr von mir?« Areya blieb an der Tür stehen. Tastet nach dem Griff hinter ihrem Rücken, schloss das kühle Metal in ihre Faust.
»Flucht ist zwecklos, Liebste.« Er schenkte ihr ein müdes Lächeln. »Ich brauche eure Hilfe.«
Überrascht schnappte sie nach Luft. »Meine?«
Er nickte. »Man sagt, ihr seid eine begnadete Hexe. Zumindest eine der pfiffigen Sorte.«
»Im siebten Kreis der Hölle wird über mich getratscht?« Areya ließ den Türknauf nicht los, doch wischte sich gespielt unbekümmert Erde von der Schürze. 
»Durchaus, durchaus. Ich sehe auch ihr habt einen netten Vorrat. Sehe ich dort die Zähne einer Viper? Die Schuppen einer Nymphe?«
»Vielleicht. In diesen Wäldern leben so einige Kreaturen.« Er lenkte ab. Das gefiel ihr nicht. »Was wollt ihr?«, fragte sie erneut.
Velamir erhob sich mit einer einzigen fließenden Bewegung. Augenblicklich wurde es kälter in der Hütte. Und mit einem Seufzen auf seinen Lippen schlenderte er in ihre Richtung. »Ich möchte euch bitten einen Fluch zu lösen.«
»Einen Fluch? Von wem?« Areya verengte die Augen.
Belustigt trat Velamir vor sie, legte eine Hand neben sie auf den Türrahmen. »Ich würde den Knauf nun los lassen. Oder möchtet ihr wirklich vor mir fliehen?«
»Ich täte nichts lieber als das. Aber ich wette, ihr lasst mich nicht weit kommen.« Areyas Stimme zitterte, ihr Herz pochte in ihrem Hals. Doch sie gab nicht klein bei. Klammerte sich an das kalte Eisen, lehnte sich an das schwere Holz. Dann schluckte sie und räusperte sich. Die Neugier gewann die Oberhand, die Vernunft verlor den Kampf. »Ihr habt nicht gesagt, wessen Fluch ich lösen soll.«
Der Dämon lachte dicht an ihrem Gesicht. Sie konnte den Schwefel schmecken und Kirschen riechen. »Von mir natürlich.«
»Was?« Erschrocken versuchte sie zurückzuweichen, prallte mit dem Kopf hart gegen die Tür. »Einen Fluch von euch? Ich wusste nicht, dass man Dämonen verfluchen kann. Etwas so… mächtiges bin ich nicht in der Lage zu lösen. Verzeiht.«
Velamirs Gesicht schwebte binnen eines Wimpernschlags näher zu ihr. Sie konnte feine Äderchen in seinen violetten Augen erkennen. Sie schienen zu schwimmen in seiner Iris. Nein, sie schienen sich zu winden wie Flüsse und Bäche, flossen wie Wasser. Der Kirschgeruch hüllte sie ein, vernebelte ihre Sinne, als er den Mund öffnete starrte sie auf seine Lippen. »Ich möchte aber, dass ihr es versucht. Ihr werdet nicht scheitern. Ich weiß es.«

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Bild: Juan Manuel Aguilar

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